Vom Fluch und Segen von Instagram oder: Warum ich nichts mehr poste

English version at the end of the page!

Ich wurde in den letzten Wochen häufig gefragt, warum ich denn keine neuen Fotos mehr poste und ob ich mit der Fotografie aufgehört habe.

Letzteres kann ich eindeutig mit Nein beantworten - im Gegenteil. Gefühlt fotografiere ich so viel wie noch nie. Die Antwort, warum ich zur Zeit nichts mehr poste bedarf allerdings einer längeren Antwort und da ich mir vorgenommen habe, dieses Jahr wieder mehr zu bloggen - was ja super geklappt hat - gibt es nun diesen Post.

Ich kam zur Fotografie, als es einen fließenden Übergang gab. Viele, damals noch angemeldet bei der Model-Kartei wechselten zu Facebook. Instagram selbst war zu dem Zeitpunkt eigentlich nur bekannt für seine Essensbilder. Doch das änderte sich bekanntlich.

Instagram wurde mehr und mehr eine Werbeplattform, Leute fingen an sich selbst zu vermarkten. Man sah und sieht häufig immer nur die selben Ideen. Durch Zufall bin ich vor einiger Zeit auf den Account insta_repeat gestoßen, der dies wunderbar visualisiert:

https://www.instagram.com/p/BvOB8RTgzIk/

Ich kam irgendwann an einen Punkt, wo ich nur noch “für Instagram fotografiert” habe. Gedanklich war ich ständig dabei zu überlegen, was ich als nächstes posten könnte, was man als nächstes fotografieren könnte, was Likes gibt. Es war nicht mehr das, was ich fotografieren wollte. Noch dazu zensiert Instagram die Plattform gefühlt stärker denn je, zeigt man mehr Haut oder geht in den politischen Bereich, taucht man nicht mehr im "Entdecken"-Bereich auf (Stichwort "Shadowban").

Etwas, was ich mittlerweile besonders schlimm finde ist, wie viel wir auf Likes achten. Likes sind zu einer Währung in der Werbeindustrie geworden.

Aber was sind Likes eigentlich wert? Beobachtet das mal bei euch selbst. Wie durchstöbert ihr Instagram? Mit hoher Wahrscheinlichkeit scrollt ihr euch durch die Posts, gebt hier und da ein Like und habt das Foto von vor 5 Minuten längst vergessen. Was ist ein Like somit noch wert? Ich sage es euch. Nichts. Zumindest aus fotografischer Sicht.
Facebook ist sich dessen bewusst, sollen doch testweise die Likes eines Posts zukünftig nicht mehr für andere angezeigt werden. Das ist ein kleiner, aber richtiger und notwendiger Schritt, den Fokus wieder darauf zu legen, worauf es ankommt. Die Fotos.

Realisiert man das erst einmal, realisiert man, was die sozialen Netzwerke bei vielen Menschen auslösen, für welchen Druck sie bei Menschen sorgen, kann man sich nur an den Kopf fassen.

Ich spreche nur für mich. Seit ich mit dem posten aufgehört habe, wochenlang sogar die Apps vom iPhone runtergeworfen habe, fotografiere ich wesentlich freier, ungezwungener und finde langsam das, was ich fotografieren möchte. Und das Wichtigste: Ich habe Spaß dabei. Und keine Verpflichtung.

Ich werde der Plattform nicht den Rücken kehren. Instagram ist auch weiterhin ein wunderbarer Weg neue Ecken, Menschen und Ideen zu finden. Irgendwann werde ich auch dort wieder posten - auch wenn ich vorher meinen vorhanden Feed aufräumen werde. Wenn man fotografiert, möchte man seine Arbeiten auch präsentieren.

Bis dahin teasere ich weiterhin neue Arbeiten in den Stories von Instagram und werde bald das Portfolio hier aktualisieren. Und wieder mehr schreiben. 🙃


From the curse and blessing of Instagram or: Why I don't post anything anymore

During the last weeks I was often asked why I didn't post any new photos anymore and if I stopped with the photography.

The latter I can clearly answer with No - on the contrary. I feel like I am taking more photos than ever before. The answer, why I don't post anything anymore at the moment, needs a longer answer and since I have decided to blog more this year - which worked out great - there is now this post.

I came to photography when there was a smooth transition. Many, at that time still registered at the Model-Kartei switched to Facebook. Instagram himself was only known for his dinner pictures at that time. But that changed, as you know.

Instagram became more and more an advertising platform, people started to market themselves. You often saw and see the same ideas all the time. By chance, I came across the account insta_repeat some time ago, which visualizes this wonderfully:

https://www.instagram.com/p/BvOB8RTgzIk/

At some point I came to a point where I only "photographed for Instagram". I was constantly thinking about what I could post next, what I could photograph next, what Likes gives. It wasn't what I wanted to photograph anymore. On top of that, Instagram censors the platform more than ever, if you show more skin or go into the political realm, you don't show up in the "Discover" area anymore (keyword "Shadowban").

Something I find particularly bad now is how much we pay attention to Likes. Likes have become a currency in the advertising industry.

But what is the value of a Like? Observe that for yourself. How do you browse Instagram? With high probability you scroll through the posts, give here and there a Like and forgot the photo from 5 minutes ago. So what is a like still worth? I'll tell you. Nothing. At least from a photographic point of view.
Facebook is aware of this, as the likes of a post should not be displayed for others in the future. This is a small, but correct and necessary step to put the focus back on what matters. The pictures.

Once you realize that, you realize what the social networks trigger in many people, what pressure they exert on people, you can only grasp your head.

I only speak for myself. Since I stopped posting and even threw down the apps from the iPhone for weeks, I've been photographing much more freely and casually, and I'm slowly finding what I want to photograph. And the most important thing: I have fun doing it. And no obligation.

I won't turn my back on the platform. Instagram continues to be a wonderful way to find new corners, people and ideas. At some point I will post there again - even if I will clean up my existing feed beforehand. When you take pictures, you want to present your work.

Until then, I'll continue to teasers new work in the stories of Instagram and will soon update the portfolio here. And write more again. 🙃

Header photo by ian dooley on Unsplash